Generation Y.

Sechs Gerüchte über die Generation Maybe

Die Generation Maybe mal wieder. Momentan sind wir in aller Munde. Schublade auf, Menschen rein, Schublade zu und fertig ist die perfekte Stigmatisierung. Dass man uns eben NICHT alle in eine Box packen kann, brauche ich jetzt nicht ausführlicher darstellen. Dennoch kann man festhalten, dass wir nahezu in der gleichen Zeit aufgewachsen sind und daher auch viele gemeinsame Interessen und Vorstellungen über das Leben teilen. Aber Obacht: Wir sind bitte nicht alle gleich. Das geht uns zumindest gemeinsam gegen den Strich. Noch eine Gemeinsamkeit? Räumen wir mal mit den Gerüchten ein wenig auf.

 

1. Auf die fette Kohle verzichten wir gerne

Das Zitat müsste noch weitergehen, damit es ansatzhaft stimmt. „Auf die fette Kohle verzichten wir gerne, wenn wir einen Job finden, der uns erfüllt.“ Aber auch das ist nicht ganz richtig.

Richtig ist: Geld bedeutet uns nicht alles. Wir brauchen nicht sonderlich viel, um glücklich zu werden. Das hat jetzt kürzlich auch wieder die Shell Jugendstudie festgestellt. Die Kernaussagen zum anschauen, findest du hier.

Nicht so vorteilhaft: Manchmal werden wir auch mit Studenten verwechselt, obwohl wir bereits mit beiden Beinen im Berufsleben stehen. Warum? Nun ja… Wir klammern uns manchmal etwas zu wenig an das liebe Geld. „Die Schuhe sind kaputt? Die werden so lange getragen bis sie auseinanderfallen. Ja.., auch zur Konferenz.“

Viele Mittäter unserer Generation stempeln es dann unter „Nachhaltigkeit“ ab und sind im Zweifelsfall sogar stolz darauf. Die eigentliche Wortbedeutung ist jedoch nur noch wenigen wirklich klar. Zur Not greift man auch schon einmal zur „Hipster“-Beschimpfung – auch hier sollte die Begrifflichkeit vielleicht erstmal gecheckt werden, bevor der Spott der Gaumenluke entweicht. Das könnte peinliche Augenblicke ersparen. Just saying.

Vielleicht ist einfach unser Verständnis von Tradition hier ein Indiz für unsere unsinnige Sparsamkeit. Ich forsche hier nochmal nach.

 

2. Die Generation Maybe legt sich nicht fest

TRUE WORDS – Wir sind absolute Profis darin, neue Möglichkeiten und Chancen zu entdecken. Wir erkennen und visualisieren alle möglichen Optionen und sind damit nicht selten auch absolut überfordert. Da wir anscheinend eine gewisse Grundangst haben, uns festzulegen und damit den alles entscheidenden Fehler zu machen, legen wir uns lieber gar nicht fest. Während unser Kopf die Melodie von „Jaein“ summt, sagen wir „vielleicht“.

Richtig ist: Wir als Generation Maybe suchen nach der perfekten Lösung in der Optionsvielfalt. Wir legen uns somit wirklich nicht leicht fest – aber wir geben auch nicht so einfach auf und sind ziemlich gut darin, Unsicherheiten auszuhalten.

Aber: Wir legen uns fest. Bei den alltäglichen Dingen. Und viele von uns sind weitaus entscheidungsfreudiger als andere. Viele erkennen auch inzwischen, dass es so etwas wie die „falsche Entscheidung“ gar nicht gibt. Vielleicht steckt dahinter aber auch das Schubladendenken, gegen das wir uns so sehr sträuben. Wir sind anders – ganz klar. Wir haben von der Geschichte gelernt, dass Menschen immer bei Krisen in Schubladen gesteckt werden und die Verantwortlichen sind. Manchmal sogar ganze Generationen. Vielleicht liegt unsere Ur-Angst genau darin. Wir wollen nicht für etwas verantwortlich sein, worunter unsere nachfolgende Generation leiden muss. Was meinst du? Völlig falsch gedacht? Deinen Senf darfst du unten dazugeben!

 

3. Wir können nur Internet

Wir und das liebe Internet. Eine Symbiose in voller Pracht.

Richtig ist: In der Tat kennen wir das Netz sehr gut – mancher von uns sogar besser als seine eigene Hosentasche. Zeichnet uns das nicht auch als Stärke aus? Wir sind schnell und effektiv im Internet unterwegs. So schnell, wie wir Informationen besorgen, so schnell kann unser Chef nicht mal seinen Namen schreiben. Solange wir Netz und Datenvolumen haben, sind wir nie aufgeschmissen. Wir bilden uns zu jeder Möglichkeit weiter. Das soll uns erst mal einer nachmachen. Ich zähle es daher zu unseren absoluten Vorteilen.

Falsch ist: Internet ist nicht Alles und wir können nicht NUR Internet. Wir können auch PC – und zwar so richtig. Wir können Handy. Wir können Kaffeeautomat. Wir können halt Technik ziemlich gut.

Beides bringt so seine Tücken mit sich. Nicht selten werden wir um Hilfe gebeten, bei Dingen, die der Mensch vielleicht auch einfach ohne uns herausbekommen hätte. Und da die Generation Maybe sehr hilfsbereit sind, sagen wir natürlich stets ja, wenn wir um Hilfe gebeten werden. Macht doch nichts.

 

4. Wir geben unser letztes Hemd für einen starken Lebenslauf

Mir fällt tatsächlich jemand ein, auf die das absolut zutrifft. Wegen ihr haben wir bestimmt auch den Titel „Generation Praktikum“ irgendwann verliehen bekommen. Wobei dies im eigentlichen Sinn eher ein negatives Lebensgefühl beschreibt. In der Tat ist uns aber der Lebenslauf sehr wichtig. Möglichst vielseitig soll er sein. Sowohl wörtlich als auch inhaltlich. Dafür arbeiten wir auch mal mehrere Monate unter- oder gänzlich unbezahlt, für ein renommiertes Unternehmen. Kaffeekochen auf ganz hohem Niveau.

Falsch ist: Wir wissen, dass unser Lebenslauf uns nicht allein überall hinbringt. Schön, wenn wir ihn haben, aber er ist nicht alleine ausschlaggebend für den Mega-Traumjob. Außerdem ist das nicht ein Thema, das nur uns betrifft.

Richtig ist also: Ja, wir optimieren unseren Lebenslauf – aber wer macht das denn aktuell nicht?

Wie wäre es denn, wenn mal im Lebenslauf eigene Projekte und Praxiserfahrungen stehen würden, die man selber initiiert hat? Leidenschaften, Kompetenzen und Fähigkeiten lassen sich so viel leichter herausarbeiten. Und durch eigene Projekte gibt es neue Vitamin B. Ja, das brauchen wir.

 

5. Wir wollen nicht sesshaft werden

Zweifelsohne sind wir mit dem Internet aufgewachsen. Die ganze Welt befindet sich nur einen Klick entfernt – warum sollten wir also auch nicht die ganze Welt kennen lernen wollen? Für mich klingt das jetzt auch irgendwie nach einer logischen Schlussfolgerung. Dass wir allerdings nie, nieeemals sesshaft werden wollen, halte ich echt für ein an den Haaren herbeigezogenes Gerücht.

Also nicht ganz richtig..: Natürlich wollen wir irgendwann mal ankommen. Die einen mit einer Familie, einem Reihenhaus mit schickem Vorgarten, die anderen wünschen sich ein Ankommen im  Beruf, einen unbefristeten Arbeitsvertrag und eine leitende Position. Sowieso – was heißt denn hier „sesshaft“ sein? Meiner Meinung nach kann das auch auf einem Hausboot passieren.

 

6. Die Generation Maybe neigt zum Burnout

Bislang gibt es darüber keine wissenschaftlichen Erkenntnisse (mh – vielleicht ein Promotionsthema), dennoch können wir festhalten, dass wir dank unseren Vorgänger-Generation unter einem immensen Druck stehen. Wir sollen etwas Ordentliches lernen, bei dem wir uns auch noch wohl fühlen und womit wir später eine Menge Geld verdienen werden. Ehm – ist klar dann.

Richtig ist: Wir streben in der Tat eine gewisse Perfektion an und sorgen uns häufig sehr, zu scheitern. Wenn ich allerdings länger darüber nachdenke, dann weiß ich gar nicht warum eigentlich. Wenn du eine Idee hast, dann ab damit in die Kommis.

Sorgen wir uns, um die Zeit, die wir durch das Scheitern verloren haben? Sind jetzt andere wieder schneller und besser als wir?

ABER: Ich glaube auch, dass wir durch dieses Wissen und die krassen Burnout-Beispiele in der Familie, Politik und im Sport ganz genau darauf achten, wann es uns zu viel wird. Vielleicht fehlt uns dann noch der Mut, mal aus unserer Komfortzone auszubrechen. Den Arschtritt gibt es übrigens für viel Geld bei der Supervision oder wesentlich günstiger auch bei Mutti.

 

Fazit

In all unseren Schwächen stecken auch ungeheure große Ressourcen. Leider wird bislang vorwiegend von den negativ Aspekten berichtet. Ich bin ja heilfroh, dass ich mit dieser Unzufriedenheit über die aktuelle Berichterstattung über unsere Generation nicht alleine bin. Ist das jetzt so etwas wie Generationsneid?

Wir sind nicht alle gleich und wollen es auch nicht sein. Zukünftig wird es daher wichtig sein, zu verdeutlichen, dass wir eben mehr sind, als nur eine Schubladengeneration.

Wo findest du dich bei den oben genannten Gerüchten wieder? Habe ich sogar welche vergessen? Ich freue mich auf deine Meinung – lass‘ mir deinen Senf da und wir kommen ins Gespräch.

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7 Kommentare

  • Reply Marina November 5, 2015 at 1:18 pm

    Ich mag deine Auseinandersetzung mit dem Thema (und habe selber gerade erst über die Generation Y gebloggt, falls wir da dieselbe Generation meinen). Natürlich ist das alles nicht schwarz und weiß. Aber während du dich gegen Pauschalisierung sträubst, pauschalisierst du durch die Verwendung des Pronomens „wir“ natürlich auch – eben in die andere Richtung. Das ist nur eine kleine Beobachtung, die ich beim Lesen deines Artikels gemacht habe.

    Dass die Generation Y nach Perfektion strebt, da kann ich leider nicht zustimmen. In der Mehrheit – und nein, das gilt natürlich nicht für alle; nichts gilt ja jemals für alle Vertreter einer Gruppe – empfinde ich genau das als den schwächsten Punkt – die Oberflächlichkeit. Lieber noch ein Praktikum mehr bei einem renommierten Unternehmen, als das Vorgängerunternehmen in seinen Details kennen zu lernen, Verliebtheit ins Qualifikations- und Leistungsnachweise. Das empfinde ich leider sehr wohl so, vor allem im Gegensatz zu älteren Semestern. Vielleicht ist meine Perspektive da eine andere – ich gehöre auch der Generation Y an, aber kratze mit meinem Jahrgang noch an der Vorgängerkohorte, der Generation X. Dadurch kenne ich beide Lebensstile sehr gut.

    In jedem Fall freue ich mich über jeden Blog, den ich finde, der nicht Mode oder irgendwelche Bastelthemen zum übergeordneten Thema hat (nichts gegen diese Themen, aber die sind wohl etwas überrepräsentiert) 🙂

    • Reply Farina November 5, 2015 at 9:03 pm

      Hallo Marina, vielen Dank für dein Feedback. Ja, ich pauschalisiere bewusst sarkastisch auch wieder in die andere Richtung – toll, dass es dir aufgefallen ist.
      Spannend finde ich deine Aussage zur Oberflächlichkeit. Vielleicht wird ja auch schnell aus einem Drang nach Perfektion Oberflächlichkeit. Perfektion in so einer schnelllebigen Gesellschaft zu erreichen schreit (für mich) förmlich danach, Prioritäten zu setzen. Vielleicht manchmal an den falschen Stellen. Ich denke, dass deine Perspektive das optimal abrundet. Oberflächlichkeit ist absolut ein Thema, dem ich mich auch nochmal widmen könnte.
      Schön, dass es dir gefällt und danke nochmals! Wir lesen voneinander?! 😉

  • Reply Märzmädchen November 5, 2015 at 5:52 pm

    Ich sehe es ähnlich wie du: in unserer Generation steckt ein riiiiiesem Potential – aber auch unglaubliche Unsicherheit. Da gibt es Leute, die wissen auch nach 10Praktika und begonnenen Ausbildungen nicht, was sie machen wollen ob der Fülle an Möglichkeiten. Klar, so sind auch nicht alle, aber das ist mir halt aufgefallen .
    Und dann herrscht ein enormer Druck: die Firmen wollen einen jungen Menschen, der am besten schon 100 Jahre Erfahrung hat. Klar!
    Ich finde, wir sind eine kontroverse Generation, wie es schon viele vor uns waren. Aber wir sind auch eine starke und vielseitige Generation! Das gefällt mir besonders 😉

    • Reply Farina November 5, 2015 at 9:08 pm

      Hallo Märzmädchen,
      den Druck der Firmen und Unternehmen kenne ich. Utopisch, was die manchmal von einem verlangen.
      Vielleicht passt hier mal ein Artikel mit der Überschrift „Authentisches Auftreten bei absoluter Ahnungslosigkeit – Das Vorstellungsgespräch“, oder so! 😉
      Die Frage nach der richtigen Entscheidung bei der Fülle von Möglichkeiten ist auch so ein Thema für sich. Vielleicht denken wir hier auch nur zu kompliziert. Gibt es jemanden, der sich heute im Beruf noch festlegen will? Fragen über Fragen. Vielleicht finde ich irgendwann einen Lösungsvorschlag oder besser noch: eine Lösungsmöglichkeit. 😉
      Vielen Dank für dein Feedback!

  • Reply Nancy November 6, 2015 at 12:25 pm

    Danke für deinen Post. Ich fühle mich auch oft überfordert, wenn die Unternehmen junge Leute suchen mit 100 Jahren Berufserfahrung. Ich finde es gut, dass Du nicht als Hauptthema Mode hast, ich finde solche Beiträge von anderen Themen immer sehr spannend.
    Liebe Grüße
    Nancy 🙂

    • Reply Farina November 7, 2015 at 12:15 am

      Hey Nancy,
      vielen Dank für deinen Senf 🙂
      Ich kenne das Problem und die Personaler kennen es ja meistens auch. Dennoch bleiben sie häufig bei ihren übermäßig hohen Anforderungen. Warum, weiß keiner so recht. Vielleicht findet sich ja doch immer noch ein Benjamin Button unter den Bewerbern. Ich bleibe dran!
      Liebe Grüße zurück!

  • Reply Das Studium kann warten! – 4 grandiose Möglichkeiten für die Zeit vor dem Studieneinstieg - Pascal Keller | Das twentysomething 1x1Pascal Keller | Das twentysomething 1×1 Juni 26, 2016 at 4:23 pm

    […] eingefügt. Es soll ja nicht so wirken, als ob du ein entscheidungsunfähiger Schwerverbrecher der Generation Maybe bist, der die schnelle Flucht ins Ausland antreten […]

  • Schreibe einen Kommentar zu Das Studium kann warten! – 4 grandiose Möglichkeiten für die Zeit vor dem Studieneinstieg - Pascal Keller | Das twentysomething 1x1Pascal Keller | Das twentysomething 1×1 Lieber doch nicht

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